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Zur Eulenburg kam ich vor vielen Jahren mit einem Bekannten, und konnte dabei durch eine kleine Scheibe des Motorenhauses sehen. Später kam ich noch mal wieder hin, und konnte hineinsehen. Dabei hat mir die Maschine einiges ins Ohr geflüstert. Ich fand noch zwei Leute; gemeinsam entschieden wir uns für eine kleine Inspektion, die noch läuft.

Da sämtliche Informationen fehlten, begann ich eben zu forschen, wie es für mich als alter Ingenieur und Betreuer anderer Museumsprojekte selbstverständlich ist. Inzwischen bin ich 84 und musste über die Fülle des vorliegenden Materials Bescheid geben. In der Hoffnung, dass ein Wertbewusstsein bei den Eulenburgern entsteht, dass es zur Attraktivierung der Eulenburg beiträgt, und dass etwas Freude weitergegeben wird.

Christian Falland,
per E-Mail  im März 2016

Die Dieselmaschine auf der Eulenburg

(Wir bedanken uns für die wertvolle Information inkl. Einordung und Recherchen zum MWM Diesel auf der Eulenburg bei Herrn Christian Falland aus Hamburg).

Die Dieselmaschine von MWM auf der Eulenburg in Osterode/Harz     
Stand 26.2.16, Christian Falland
Eulenburg Dieselmaschine von MWM
Geschichte und Daten der Maschine
Die Firma Greve & Uhl wurde im Jahre 1827 in der Stadt Osterode als Wollwarenfabrik gegründet. 1832 entstand auf den Sösewiesen vor Osterode eine moderne Fabrikanlage, die mit Wasserkraft und auch mit Dampfmaschinen betrieben wurde.


Im Jahre 1926beschaffte man eine Dreizylindrige Dieselmaschine der Motorenwerke Mannheim, MWM, mit 75 PS bei 250 U/min; 105 PS bei 320 U/min laut Buchhaltungsunterlagen*. Unter der Type RH 35 D entstammte diese einer neuen Motorenserie des berühmten Motorenkonstrukteurs Prosper L’Orange. Mit der Bezeichnung „Kompressorloser Rohöl-Dieselmotor“ markiert die Maschine einen wichtigen Meilenstein in der langen Entwicklungsgeschichte des Dieselmotors.

Nach den Buchhaltungs-Unterlagen hat er die Fabrikationsnummer 25384 mit einem Neuwert von 20.405 Mark. Das Foto von 2015 zeigt die Maschine von der Nockenwellenseite mit den Kipphebeln über den Zylinderköpfen. Ganz links im Bildrand ist die Riemenscheibe, daneben das Schwungrad. Darüber geht die Auspuffleitung Richtung Dach. Der Handgriff am Schwungradgeländer gehört zur Klinkvorrichtung, die zum törnen Eingriff in die Innenverzahnung des Schwungrades herstellt.

Vor der Fensterseite ist am Nockenwellengehäuse der Fahrhebel zu sehen, er hat vier unbezeichnete Rasten.- Die Maschine soll noch bis in die 1970-er Jahre gelaufen sein.  Es wird versucht, den Dieselmotor und seine Umgebung in einen Zustand zu versetzen, der zur Besichtigung geeignet ist, und eine gute Information über diese wertvolle Maschine für alle Interessenten bereit zustellen.-

*Seite 57 der Anlagenbuchhaltung, Stand 1949, nach Stadtarchiv Osterode, Bestand Greve&Uhl, 54. Hier sind weitere Einzelheiten der Dieselmotorenanlage vermerkt: Mit Rohrleitung, Oelkühler, Ansaug- und Auspuffleitung. Brennstoffbehälter. Auspufftopf. 24 cbm Fundament. 1 Laufkatze 300 kg Tragkraft mit 6 m I-Träger NP 16. Werkbank mit Schraubstock, div. Schlosserwerkzeug. Schlüsselbrett, div. Ersatzteile. Tisch, Bank, Uhr, Läufer, Kleingerät. Feuerlöscher, Total. Feuerlöscher, Walther, Polar, mit Schaumrohr.
Bildausschnitt
Einbau der Dieselmaschine auf der Eulenburg

Der Bildausschnitt stammt aus der Broschüre „Greve & Uhl 1827 – 1927“ zur Hundertjahres­feier. Im Zentrum des Bildes ist das neugebaute Motorenhaus sichtbar, welches dicht an der Wasserturbine liegt. In Trockenzeiten konnte so der neue Motor über eine Treibriemenverbindung die Transmissionswelle des nebenliegenden Gebäudes antreiben.
Später kam ein Drehstromgenerator mit 120 kVA Leistung der Lloyd-Dynamowerke Bremen (1951) hinzu, der noch neben der Maschine auf seinem Fundament liegt. Nun musste der Antriebsriemen von der Riemenscheibe auf das Schwungrad des Motors gelegt werden, um die nötige hohe Drehzahl von 1000 Umdr./min am Generator zu erzeugen. Spuren im Motorenraum deuten auf ein früheres Vorgelege mit Kupplung im Riementrieb.
Die Stellung des Eulenburg-Motors in der Diesel-Entwicklung

In der „Geburtszeit“ des Eulenburg-Diesels in den Jahren bald nach 1900 mag in der Branche noch eine Goldgräberstimmung geherrscht haben.

Es war die Zeit der Fabrik-und Werkstattgründungen, der historische Wasserradantrieb war industriell nur beschränkt einsetzbar. Für kleinere Unternehmen kam der Dampfantrieb kaum infrage: Dampfkessel und Schornstein waren aufwendig zu errichten. Kohle musste her. Rauch und Asche entstanden.

Da kam der ruhig laufende, zuverlässige Dieselmotor gerade recht. Er war klein und konnte genau nach Maß gekauft werden, die Qualitäts-Anforderungen an den Treibstoff waren mäßig. Die Maschine versprach eine gute Wirtschaftlichkeit.

Am Dieselmotor wurde noch immer weiter entwickelt. Als Beispiel in der Nähe sei die U-Boot-Kreuzer Maschine der Einersberger Zentrale in Clausthal-Zellerfeld erwähnt. Dieser Diesel wurde 1921 ausgeliefert. Er besaß einen dauernd mitlaufenden Kompressor für die Einblasluft. Der Kraftstoff musste mit einer Zerstäuberdüse und Pressluft in die Zylinder befördert werden.

Dieselmotor-Geschichte. Ausschnitt (Z. T. Wikipedia)
1893        Erfindung des Dieselmotors, Rudolf Diesel
1897        Dieselmotor läuft bei MAN Augsburg
1910        MAN hat ca. 100 Dieselmotoren verkauft
1909        Benz & Cie, Entwicklung von Einspritzpumpe und
               Vorkammer von Prosper L`Orange

1922        MWM, Mannheim übernimmt den Standmotorenbau  
               von Benz & Cie unter Prosper L`Orange, bis 1926

1926        L’Orange eröffnet ein eigenes Ingenieurbüro
1926        Firma Knorr-Bremse übernimmt Mehrheit bei MWM
1931        MWM beginnt, Fahrzeugdieselmotoren zu bauen


Aus der obigen Diesel-Zeittafel ergibt sich, das Prosper L’Orange als genialer Entwickler schon 1909 Gedanken zur Direkteinspritzung mit einer Kraftstoffpumpe gemacht hatte. Da zu dieser Zeit alles Mögliche an Ölen (bis Erdnussöl) in die Dieseltanks gekippt wurde, gab es immer Probleme mit der Verbrennung und ihren Rückständen.

Hier ersann L’Orange eine geniale Vorrichtung, die wir sofort zeigen können.
Detail
Der Eulenburg-Diesel mit Vorkammer
Im Bereich des Osteroder Motorenhauses fand sich zwischen anderen Metallteilen ein merkwürdiges Gebilde, das sich bald als Vorkammer nach L’Orange herausstellte (Foto und Prinzipschnitt).

Das Foto zeigt die Reserve-Vorkammer der Eulenburg-Maschine, auf dem Kopf stehend. Die 12 Bohrungen haben ca. 3,5 mm Durchmesser. Ihre Achsen stehen in einem 45° Winkel zur Kammer-Mittellinie.

Das Schnittbild einer eingebauten Vorkammer, hier gelb unterlegt, ist unten zu sehen. Oben ist die Nadel-Einspritzdüse eingebaut, daneben eine elektr. Glühkerze zum anlassen (hier nicht relevant). Der Einspritzkegel der Düse füllt etwa den Vorkammerdurch­messer. Hier findet die Vorverbrennung statt. Die im Foto sichtbaren Zerstäuberöffungen der Vorkammer zeigen wie eine Brause in den Brennraum des Dieselmotors.  Diese Anordnung brachte eine wesentliche Betriebsverbesserung der Maschine. An der Vorkammerform und den Durchbrüchen zum Brennraum wurde während der Motorenherstellung noch viel Feinarbeit vorgenommen.

L’Orange war ein genialer Entwicklungschritt gelungen. ...
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Weitere Informationen und Definitionen finden Sie in einem PDF,
das Christian Falland mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt hat.